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Atmung als Ursache für Erschöpfung, Stress, Angst und Depression

Viele Menschen, die sich oft erschöpft, gestresst, ängstlich und depressiv fühlen, leiden unter einer fehlgesteuerten Atmung. Diese ist der eigentliche Grund für ihre Symptome.

 

Und das kommt so:

Unsere Atmung sorgt dafür,

·      dass wir Sauerstoff (O2) einatmen, um Energie bereit zu stellen,

·      dass wir Kohlensäure (CO2) abatmen, um uns zu entsäuern*

·      und dass wir Beides in genau richtigem Maße tun.

Wenn wir in Ruhe sind, ist unsere Atmung langsam und flach; wenn wir mehr Energie benötigen, wird unsere Atmung tiefer und schneller. Dies geschieht bei körperlicher Anstrengung, aber auch schon beim Gedanken an Herausforderungen, Stress und Angst.

 

Ist unsere Atmung nur aufgrund unserer Gedanken aktiver, entsteht ein Problem: Wir verbrauchen den bereitgestellten Sauerstoff nicht und atmen mehr CO2 ab, als im Stoffwechsel neu entsteht (Hyperventilation). Das fein eingestellte Gleichgewicht wird gestört und der Säuregrad sinkt (der pH-Wert steigt); das aktiviert unser Alarmsystem und verursacht im Körper Stress und Angst. Solange das gelegentlich und kurzzeitig passiert, reguliert unser Körper die Atemgase schnell wieder.

 

Wenn Menschen jedoch dauerhaft Stress und Angst erleben, verändert sich oft auch die Atmung dauerhaft: wir gewöhnen uns an eine Atmung die zu schnell und zu viel ist, aber nicht mehr tief (thorakale Hochatmung). Das führt dann dazu, dass wir uns vom Kohlendioxid entwöhnen und obwohl wenig CO2 im Blut ist, spüren wir schnell Atemnot und können den Sauerstoff schlecht nutzen. (Das nennen wir medizinisch chronische Hyperventilation und „respiratorische Alkalose“ **, das heißt, dem Blut fehlt durch zu schnelle Atmung Säure.) Diese Verschiebung führt zu vielfältigen, charakteristischen Symptomen (s.u.).

*  Die Lunge ist somit unser wichtigstes Entsäuerungsorgan und hat hier eine zentrale Aufgabe; denn der pH-Wert, also wie sauer oder basisch z.B. unser Blut ist, wird sehr genau geregelt (normalerweise eng um pH 7,4). Daher ist der Kohlendioxidspiegel im Blut unser stärkster Atemreiz.

** Freud sprach von „nervöser Dyspnoe“

 

 

CO2 als zentraler Steuerungsfaktor:

CO2 (Kohlendioxid) entsteht im Körper als Abfallprodukt des Energiestoffwechsels. 

Wenn wir Energie erzeugen, wird durch das dabei entstehende CO2 die Durchblutung aller Gewebe, besonders aber des Gehirns, gefördert. Das Einatmen eines 5%-igen CO2 Gases führt zum Anstieg der Hirndurchblutung um 50%!

Gleichzeitig wird die Nutzung des O2 (Sauerstoff) verbessert: höhere CO2-Werte und damit ein höherer pH-Wert führen zu geringerer Bindung des O2 an Hämoglobin (Rechtsverschiebung).

Dies erklärt die Symptome von Menschen mit einem dauerhaft zu niedrigen CO2-Spiegel:
Schlechte Versorgung und Nutzung mit/von O2.

 

Symptome nervöser Atmung

Vegetative und psychische Symptome:

o   Angst- oder Wutgefühle, Reizbarkeit

o   Abgeschlagenheit

o   Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit, "brain-fog"

o   Feuchtkalte Hände und Füße

Atmung:

o   Überatmung mit erniedrigtem Kohlendioxidspiegel
      (pCO2 < 35 mm Hg oder 4,67 kPa)

o   Gefühl, nicht richtig (durch-)atmen zu können

o   Engegefühl in der Brust

o   Erhöhte Atemfrequenz

Neuromuskuläre Symptome:

o   Parästhesien (z.B. "Ameisenlaufen")

o   Gefühllosigkeit und Zittern in den Extremitäten

o   Periorales Kribbeln sowie Verkrampfungen in Händen und
      Füßen

o   Lähmungen, Zittern und Muskelschmerzen

Zerebrale Symptome:

o   Benommenheit, Kopfschmerzen, Schwindel, Sehstörungen

Kardiale Symptome:

o   stechender Schmerz oder dumpfes Druckgefühl hinter dem
      Brustbein und im linken Brustkorb

o   Palpitationen, Gefühl des Herzstolperns

Gastrointestinale Symptome:

o   Aufstoßen, Blähungen, Flatulenz und Schluckstörungen

o   Nervöse Darmbeschwerden

Fitness:

o geringe körperliche Belastbarkeit

o geringe Trainingseffekte

Teufelskreis der chronischen Hyperventilation

Menschen, die auf diese Art und Weise leiden, sind in einem Teufelskreis gefangen: 

- negative und ängstliche Gedanken führen zu vegetativer Übererregung 

- die vegetative Übererregung führt zu Stress- und Angstgefühlen 

- diese zu einer verschobenen Atemregulation

- die verschobene Atemregulation führt zu körperlichen Symptomen, die wiederum Stress und Angst auslösen.


Etwa 10% der Bevölkerung in Deutschland leiden unter einer solchen chronischen Hyperventilation; bei Menschen die z.B. unter Depression und Angst leiden sind davon ca. 30% betroffen! Man geht davon aus, dass auch bei vielen Betroffenen von Long-Covid oder ME/CSF die durch die auslösende Erkrankung verstellte Atmung an der eingeschränkten Leistung beteiligt ist. Die meisten dieser Menschen sind sich über ihr Atemproblem nicht bewusst und auch nicht über die Bedeutung für ihrer Atmung für ihre Psyche und ihren Körper.

 

Genau aus diesem Grund sind bei psychischen Störungen Entspannungsverfahren und Atemübungen so wirksam. Umgekehrt haben Menschen mit geringer CO2-Toleranz oft besondere Schwierigkeiten bei Entspannungsverfahren oder Atemübungen. Um dieses Problem zu lösen, kann man z.B. die Atemgase (Sauerstoff und CO2) während der Atemübung visualisieren; denn dann sieht der/die Betroffene, dass er/sie gar nicht unter einem Sauerstoffmangel leidet und lernt, wie er/sie atmen kann, um den CO2-Spiegel langsam wieder ansteigen zu lassen. So lernt man, Angst und Stress quasi „wegzuatmen“.

 

Durch die thorakale Hochatmung ist oft auch das Zwerchfell blockiert oder verkümmert. Das Zwerchfell ist unser wichtigster Muskel für die Bauchatmung, wir können es jedoch nicht bewusst ansteuern. Daher ist Menschen oft gar nicht bewusst, dass sie das Zwerchfell bei der Atmung nicht oder nicht genug einsetzen. Über geeignete Atemübungen lernen diese Menschen dann Stück für Stück wieder die natürliche Zwerchfellatmung und werden so wieder entspannt und kraftvoll.

 

Atmung und Leistungsfähigkeit

Wie weiter oben schon erwähnt, leidet unter dem zu niedrigen CO2-Spiegel auch unsere Fähigkeit, den Sauerstoff zu nutzen und damit unsere körperliche und geistige Leistungsfähigkeit.

 

Daher lohnt bei allgemeiner, oft unerklärlicher Schlappheit oder geringer Trainingseffektivität immer auch ein Blick auf die Atemgase. Auch Menschen, die ihre optimale Leistungsfähigkeit erhalten oder fördern wollen (Sportler und andere sehr aktive Menschen), sollten unbedingt auch an einer entspannten Atmung arbeiten und ihre CO2-Toleranz ausbauen.

 

(Während ein gesunder, normal atmender Mensch einen pCO2 von etwa 40 mmHg hat, können Trainierte pCO2-Werte von 60 mmHg erreichen. Damit können sie nicht nur den Sauerstoff besser nutzen, sondern die CO2-Toleranz hilft auch bei der Kompensation des Laktats.)

Einen ersten Check, wo Sie mit Ihrer Atmung stehen, können Sie selbst über den BOLT-Test (body oxygen level test) durchführen:

1. Legen Sie sich entspannt hin und atmen durch die Nase ein und aus.

2. Nehmen Sie einen normalen Atemzug, atmen ruhig aus und halten dann die Luft an.

3. Starten Sie gleichzeitig eine Stopp-Uhr und bleiben ganz ruhig.

4. Sobald Sie ein deutliches Signal wahrnehmen, wieder atmen zu müssen, stoppen Sie die Uhr und atmen normal weiter. (Halten Sie also den Atem nicht so lange an, dass Sie danach außer Atem sind.)

 

Diese Anzahl Sekunden ist Ihr BOLT-Wert.

 

Die meisten Menschen erreichen in diesem Test Werte um 20 Sekunden; das gilt dann als „normal“. Sollten Sie deutlich darunter liegen, also 15 Sekunden oder weniger, reagiert Ihre Atemsteuerung zu stark auf CO2. Dann sollten Sie Ihre CO2-Toleranz durch Atemtraining steigern. „Ideale“ Werte – für Sportler und andere Leistungsbewusste gehen bis zu 40 Sekunden. Auch diese Werte erreicht man am besten durch geeignetes Atemtraining.

 


Gezieltes Atemtraining hilft, wieder zu gelassener und ruhiger zu atmen und damit zu höherer CO2-Toleranz zu finden.

 

Studien haben gezeigt, dass dabei die Messung und Visualisierung der Atemgase ein entscheidendes Hilfsmittel ist. Sie hilft uns zu einer geeigneten Atmung zu finden und diese gezielt zu trainieren.

 

In meiner Praxis nutze ich hierfür einen Capnographen - dieser zeichnet den CO2-Gehalt der ausgeatmeten Luft fortlaufend auf und zeigt die Atemfrequenz an. Parallel wird mittels Oxymeter die Sauerstoffversorgung und der Puls angezeigt. Damit ist man sicher, dass man trotz gefühlter Atemnot gut mit Sauerstoff versorgt ist.

 

 

 

 

 

Leiden Sie unter den oben beschriebenen Problemen? Dann melden Sie sich bei mir. Wir finden die Ursachen für Ihre Atemprobleme und – viel wichtiger: ich helfe Ihnen wieder zu einer ruhigen Atmung zu finden, damit Sie Ihr Leben gelassen und kraftvoll leben können!

 

Beste Grüße

Ihre Karin Rüttgers