Entstehung von krankhafter Angst

Angst hat immer mehrere Ursachen

(Mehr zu den verschiedenen Angstformen finden Sie weiter unten auf dieser Seite.)

 

Wenn Angst sich verselbständigt und unseren Alltag behindert, dann spricht man von krankhafter Angst. Damit es dazu kommen kann, spielen in der Regel verschiedene Faktoren zusammen:

  • eine Veranlagung* zu besonderer Sensibilität und Reflexion - daher treten Angststörungen oft familiär gehäuft auf
  • unser Lebensweg, bei dem angstfördernde Verhaltensweisen meist mehr und mehr verstärkt werden
  • körperliche Co-Faktoren die die Angst auslösen oder verstärken können
  • besondere Ereignisse im sozialen Umfeld oder traumatische Erlebnisse, die oft der letzte Tropfen sind, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Eine Angsttherapie hilft in aller Regel die quälende Angst schnell und wirksam  wieder los zu werden. Dabei werden den Betroffenen meist auch die Ursachen für ihre Angstprobleme bewußt; so lernen sie insgesamt leichter und positiver zu leben und sie gewinnen so ingesamt mehr Lebensqualität 

 

Obwohl in aller Regel eine Veranlagung zur Angst vorhanden ist, muß man nicht quasi die ganze Persönlichkeit umkrempeln, um die Angst wieder loszuwerden. Ziel der Angsttherapie ist es, die gelernte Angst quasi wieder zu entlernen, also bestimmte Aspekte gezielt zu verändern.

 

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* Neurowissenschaftler haben kürzlich gezeigt, dass Menschen mit krankhafter Angst negative Erlebnisse besonders stark auf neue Wahrnehmungen übertragen (http://www.cell.com/current-biology/fulltext/S0960-9822(16)00073-7). Sie verarbeiten also Erlebtes tatsächlich anders. Und diese Übertragung erklärt auch, dass sich negative Erlebnisse überlagern und verdichten können, sodass es zur Angststörung kommt.

 

Entstehung häufiger Angstformen

Agoraphobie

 Die Agoraphobie, also eine krankhafte Angst vor bestimmten Orten und Situationen, rührt aus der Angst vor Kontrollverlust. Die Betroffenen haben Angst, eine bestimmte Situation nicht verlassen zu können oder keine Hilfe zu bekommen. Häufig (aber nicht immer) haben die Betroffenen in der Vergangenheit eine traumatische Situation erlebt, die mit ihrer Platzangst in Zusammenhang steht. Bei Agoraphobie kommt es oft zu Panikattacken.

 

Die angstbesetzten Orte und Situationen sind sehr vielfältig, z.B.:

- Höhenangst

- Angst allein zu reisen, Auto zu fahren

- Angst das Haus (im Dunkeln) zu verlassen

- Angst vor öffentlichen Plätzen

- Angst, plötzlich zur Toilette oder erbrechen zu müssen

- etc.

 

Soziale Phobie

 Als soziale Phobie bezeichnet man die generelle Angst vor Menschen. Sie kann sich äußern in:

- Angst vor Aufmerksamkeit

- Angst vor Menschen zu sprechen

- Versagensangt

- Angst in der Öffentlichkeit zu essen

- Angst vor öffentlichen Toiletten

- Angst davor, andere anzusprechen (v.a. Vertreter des anderen Geschlechts)

- Angst vor Impotenz

- Angst zu telefonieren

- und allen anderen Situationen, in denen die Angst durch die Anwesenheit anderer Menschen entsteht.

 

Die soziale Phobie kann sich bis zum völligen Vermeiden von Kontakt mit fremden Menschen steigern. Diese Angst gründet auf der Furcht davor, von anderen Menschen beurteilt zu werden. Diese Angst kennt jedes soziale Wesen, denn wir alle wollen ja von anderen akzeptiert und gemocht werden. Bei Sozialphobikern jedoch kommt eine besondere Schüchternheit und Sensibilität hinzu, die dann zu dieser Angststörung führen kann. Die Angst vor der angstbesetzten Situation kann auch zu Panikattacken führen.

 

Bei der sozialen Phobie kommt es häufiger als bei anderen Angststörungen auch zu depressiven Symptomen, weil sich der Sozialphobiker von dem abschneidet, was er am meisten braucht: Kontakt mit und Zuspruch durch andere Menschen!

 

 

Panikstörung

Bei der Panikstörung  scheint die Angst keinen bestimmten Auslöser zu haben, die Panikattacken scheinen ganz zufällig zu kommen. Meist liegt dieser Angst dann ein oft unbewusster Gedanke zugrunde, der die Angst und Panikattacken auslöst. Häufig ist die Angst- und Panikstörung von der Agoraphobie begleitet.

 

Ich erlebe in meiner Praxis häufig, dass Panikstörungen am Beginn neuer Lebensabschnitte entstehen. Die erste Ausbildung, eine Beförderung, eine Hochzeit, die Geburt des ersten Kindes, der Beginn der Wechseljahre, Krankheit oder Tod eines nahen Angehörigen... Es können also durchaus auch sehr positiv bewertete Veränderungen sein, die zur Panikstörung führen, denn auch diese bedeuten Abschied von Altgewohntem und somit Stress.

 

Spezifische Phobien

 Hierunter fallen alle Ängste vor bestimmten Dingen oder Lebewesen, wie:

- Spinnenangst, Angst vor Insekten

- Angst vor Hunden, Pferden oder anderen Tieren

- Spritzenphobie, Angst vor Blut

- Zahnarztangst

- Prüfungsangst

- Angst vor Krankheiten

- Angst vorm Fliegen

- Angst vor engen/geschlossenen Räumen (Tunnel)

- Angst vor Naturgewalten (Gewitter, Wasser)

- Angst vor der Dunkelheit

- und viele andere spezifische Angstauslöser

 

Diese Ängste sind im Grunde Urängste der Menschen. Dass sich daraus eine Angststörung entwickelt liegt oft einerseits an Prägungen aus der Kindheit; kommt dann noch ein schlechtes Erlebnis hinzu, ist es zur Angststörung bei entsprechender Veranlagung nur noch ein kleiner Schritt.

 

Generalisierte Angststörung

 Eine generalisierte Angststörung liegt dann vor, wenn ein Mensch sich andauernd übergroße Sorgen um einen bestimmten Lebensbereich (oder das Leben im allgemeinen) macht. Im Unterschied zu den anderen Angststörungen sind Angst und Unruhe bei der generalisierten Angststörung quasi durchgehend spürbar. Nun haben wir alle schwierige Situationen und Lebenskrisen zu bewältigen in denen wir uns mehr sorgen als sonst; dauert dieser Zustand jedoch länger als 6 Monate an, so liegt eine generalisierte Angststörung vor, die sich dann in der Regel auch nicht mehr von selbst bessert.

 

Mit der generalisierten Angststörung ist eine sehr große Einschränkung von Lebensqualität und Lebensfreude verbunden. Daher ist auch mit dieser Form der Angst häufiger eine Depression (besser depressive Stimmungslage) verbunden.

 

Auch bei der generalisierten Angststörung kann es zu sehr ausgeprägten körperlichen Symptomen kommen. Muskelanspannung oder -schmerz, Kopfschmerz, Übelkeit und Durchfall sowie Zittern, Zucken und andere Beschwerden werden dann zum ständigen Begleiter. Sie können sogar so sehr im Vordergrund stehen, dass die zu Grunde liegende Angststörung dem Betroffenen gar nicht bewußt wird.

 

Grundlage der generalisierten Angststörung ist häufig eine eher ängstliche Grundhaltung, die situativ, familiär- aber auch anlagebedingt sein kann. Kommen dann noch mehrere negative Erlebnisse in kurzer Zeit oder ein Lebensumbruch hinzu, kann sich eine solche generalisierte Angststörung entwickeln.

 

Behandlung von Angststörungen

 

Alle Angststörungen lassen sich gut und wirksam behandeln.

 

Dank moderner Therapieverfahren braucht es keine langwierige Psychoanalyse und keine Psychopharmaka !

 

Im Prinzip wird die gelernte Überreaktion auf bestimmte Reize durch ein neues Verhalten ersetzt und so gelöscht. Andere Teile der Persönlichkeit bleiben vollkommen unangetastet. (Es sei denn, der Patient/die Patientin nimmt die Angsttherapie zum Anlass auch andere Verhaltensweisen zu überdenken.)